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Weihnachten - die Zeit der Besinnlichkeit

Quo vadis, TTSV?17.12.17 - Wenn es im Dezember auf Weihnachten zugeht, ist dies traditionell die Zeit der Besinnlichkeit, zu der man in sich geht, das vergangene Jahr vor seinem inneren Auge revue passieren lässt und sich die Zeit nimmt, vergangene Dinge zu bewerten und Pläne für die Zukunft zu schmieden. Dies wäre nun die Stelle, an denen alle Erfolge der letzten 12 Monate aufgeführt werden könnten und die üblichen Weihnachtswünsche verteilt und Vorsätze fürs neue Jahr gefasst werden.

...oder aber man geht einen Schritt zurück, betrachtet die jüngere Geschichte des TTSV mit etwas Abstand zu den eigenen Befindlichkeiten und der Vergangenheit und versucht, diese im Gesamtkontext eines - heute ausnahmsweise - mal sehr persönlichen Bericht des Autors einzuordnen.

Vor etwas mehr als einer Woche ist in der Saarbrücker Zeitung ein Bericht erschienen, in dem davon die Rede die ist, dass man vor weniger als fünf Jahren noch Bundesliga gespielt hatte und es seitdem stetig für den TTSV bergab ging.
Geht man weitere 7 Jahre in der Vereinsgeschichte zurück ins Jahr 1999, erinnere ich mich persönlich noch gut an mein erstes Treffen mit Heinz Falk, damals zweiter Vorsitzender des SV 09 Fraulautern - Abteilung Tischtennis. Spitzentischtennis im Saarland war zum damaligen Zeitpunkt seit den Rückzügen des ATSV aus der Bundesliga nur noch ein Mythos vergangener Tage und Fraulautern suchte Unterstützung bei einem Projekt, die Kräfte im Saarland zu bündeln und zu versuchen, mittelfristig den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu schaffen. Nach einigen Monaten der Zusammenarbeit, in denen Heinz und ich gemeinsam das Jugendförderkonzept des TTSV für eine Bewerbung um den Hermann Neuberger Preis zusammenstellten und gemeinsam mögliche Zukunftsziele formulierten, entschied ich mich persönlich für einen Wechsel nach Fraulautern, Heinz übernahm den Vorsitz von Martina Tock und ich selbst das Amt des Geschäftsführers. Es folgte eine extrem arbeitsreiche Zeit, in denen meine Woche in der Regel so aussah, dass ich zwischen 8 und 16 Uhr an der Saarbrücker Uni studierte und nachdem ich zuhause war, nahezu jeden Wochentag bis 1 Uhr nachts damit verbrachte, diverse Tischtennisthemen abzuarbeiten. War dies am Anfang der Aufbau und die Fertigstellung unserer Homepage und die Ausarbeitung der Jugendförderkonzepte, kamen mit zunehmendem Erfolg immer weitere Aufgaben hinzu. Mit dem Aufstieg in die 2. Liga, der nach langem, steinigen Weg, im Jahr 2003 endlich gelungen war, war dies vor allem der Aufbau eines internationalen Kontaktnetzwerks, das Sondieren potenzieller Neuzugänge, die sowohl von der Spielstärke als aber auch in das Konzept des TTSV passten und Vertragsverhandlungen - zu einer Zeit, in der Facebook noch nicht erfunden war und es am Tag vor Wechselschluss schon mal zu Telefonrechnungen von über 100 Euro kommen konnte, um Verpflichtungen last minute quer über den Erdball und sämtliche Zeitzonen einzufädeln.
Dazu dreimal in der Woche selbst trainieren, freitags vor den Spielen die Spielerinnen an den Flughafen abholen, samstags selbst noch spielen und sonntags die 2. Damenmannschaft in Ober- und Regionalliga fahren und betreuen - nein, langweilig wurde mir zu dieser Zeit sicher nicht!

Mit viel harter Arbeit, an der sich nicht weniger intensiv auch der Rest des Vorstandes - im Kern bestehend aus Familie Falk, Tock, Jacob und Blau - umfassend beteiligte schafften wir es - ohne jemals mit dem Ziel gestartet zu sein - sogar in die erste Bundesliga und errangen dort 2012 und 2013 mit der deutschen Vizemeisterschaft die beiden größten Erfolge des mittlerweile aus dem SV 09 ausgegliederten TTSV.

Auf der einen Seite ein herausragender sportlicher Erfolg der ein entsprechendes mediales Echo auslöste. Was aber von außen betrachtet nicht zu sehen war, war die immense Belastung im Inneren, die verständlicherweise dazu führte, dass die Basis des Vereins, der Breitensport und teilweise auch die Jugendarbeit, darunter litt und von Jahr zu Jahr die Zahnräder immer mehr zu knirschen begannen.

Nach dem Bundesligarückzug schaffte man es noch zwei Jahre lang eine sehr junge Mannschaft in die dritte Liga zu hieven bevor auch dieses Team aufgelöst werden musste. Auf unserer Homepage erschien ein Bericht, den ich selbst verfasst und mit dem Titel "Das Ende einer Ära" tituliert hatte. Mit Heinz Falk, Klaus Maurer und Werner Eisenbarth gingen dem TTSV gleich drei der Funktionäre nicht nur als solche sondern auch komplett im Vereinsleben verloren, die diese Ära maßgeblich mitgeprägt hatten.

Zur Saison 2015/2016 schien der Verein von außen betrachtet am Boden zu liegen und ich persönlich muss gestehen, dass mich selbst eine Mischung zwischen Enttäuschung und Wut ergriff, dass diese fast 12 Jahre anhaltende Hoch-Zeit des Vereins zu einem Ende gekommen war - ja, mit etwas Abstand betrachtet, sogar kommen musste. Anders als viele der damaligen Vorstandsmitglieder blieb ich dem Verein als Spieler erhalten, konnte jedoch spätestens bei der Entscheidung des Rückzugs aus der dritten Bundesliga verstehen, warum sich einige meiner Vorstandskollegen komplett aus dem Verein zurückgezogen hatten. Das Ende einer Ära war es wahrhaftig, aber dass das Ende auch ein Neuanfang sein kann und Veränderung - wie immer im Leben - auch etwas Positives mit sich bringen kann, sollten die darauf folgenden Jahre unter Beweis stellen können.

Rein sportlich betrachtet, kann man der Aussage der Saarbrücker Zeitung nicht widersprechen, es ist jedoch zu kurz gedacht, die Erfolge eines Vereins ausschließlich an den Erfolgen seiner Aushängemannschaft zu messen.

Der TTSV-Vorstand hat sich neu formiert und ist mit 12 Leuten so breit aufgestellt wie nie zuvor in der Vereinsgeschichte. Veranstaltungen wie Vereinsmeisterschaften, die zu Bundesligazeiten als unregelmäßig stattfindendes "notwendiges Übel" in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden drohten, wurden in der Zeit danach zu Events ausgebaut, die das Vereinsleben in vielerlei Hinsicht bereichern - die Schwerpunkte liegen nicht mehr auf dem Profisport sondern auf dem Miteinander, der Geselligkeit oder weiteren herausfordernden Themen wie Integration. Die neuen Ziele tragen maßgeblich zur Gesundung des Vereins von innen heraus bei und nicht zufällig ist der TTSV mit 11 Mannschaften einer der größten Vereine des Saarlandes geblieben während vielerorts die Basis dramatisch wegbricht. Der von 2009 bis 2015 anhaltende Abwärtstrend in der Anzahl der Mannschaften konnte durchbrochen und sogar umgekehrt werden. Zwar ist die Anzahl der Jugendlichen, die in den Aktivenbereich übernommen werden können, leider noch immer sehr gering, dafür ist es dem Verein gelungen, ehemalige Spieler wie beispielsweise Holger Thirion zu reaktivieren, neue Spieler aus deren Umfeld zu akquirieren oder auch Spieler wie Timo Endres für sich zu gewinnen. Mit Maya, Amal und Hala konnte man zudem drei Spielerinnen mit syrischen Wurzeln in den Verein integrieren und ist im weiblichen Bereich mehr als je zuvor eine der letzten Bastionen gegen den Zusammenbruch des Damentischtennis.

Die Kommerzialisierung im Tischtennis schreitet einher mit einem permanenten Verlust von Mitgliedern und immer weniger Vereinen. So unterhält das Saarland beispielsweise einen Trainerstab mit mittleren sechsstelligen Personalkosten und wer seinen aktuellen Spielstärkewert einsehen möchte, darf dafür eine jährliche Gebühr entrichten.
In Fraulautern ist zwar auch nicht alles perfekt und auch wenn die Jugendarbeit noch nicht dahingehend funktioniert, dass mehr Spieler den Sprung zu den Aktiven schaffen, hat man sich über andere Wege kreativ neue Optionen geschaffen, die Basis in der Breite zu stärken und zudem durch deutlich höhere Investitionen in die "Bestandspflege" den Verein für seine Mitglieder zunehmend attraktiver gemacht.

Erfolge lassen sich nicht immer mit Medaillen beziffern - wenngleich festzuhalten ist, dass der Status, den das "stetige Bergab" in Fraulautern erreicht hat, sportlich noch immer große Erfolge wie neun Saarlandpokalsiege, zahlreiche Kreis- und Landesmeistertitel umfasst, für die 90% der anderen Vereine den TTSV beneiden. Smiley

Ja, Bundesliga war eine tolle Zeit - Erfolge erzielt der Verein aber auch unter der neuen Führung wieder und ich persönlich muss sagen, dass ich die wöchentlich 120 km Hin- und Rückfahrt wieder gerne auf mich nehme. Erfolg hat viele Facetten und das Ende einer erfolgreichen Ära kann Stand heute der Anfang einer neuen - anders definierten - erfolgreichen Zeit werden - und dafür sollten wir alle dankbar sein und unser Bestes tun, damit es auch noch lange so bleibt!

Mein ganz persönliches Fazit: die SZ hat Recht damit, dass Fraulautern sportlich gemessen an den riesigen Erfolgen der nahen Vergangenheit nur noch ein Schatten vergangener Tage ist - aber die Neuausrichtung des Vereins generiert neue, andere Erfolge und ich kann mit gutem Recht behaupten: wir sind noch immer ein ganz schön geiler Verein - und werden es auch hoffentlich noch ganz lange bleiben!

In diesem Sinne wünsche ich - diesmal wieder im Namen des Vereins - Allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und bin gespannt, was 2018 bringt! Smiley

Autor: fs