Mannschafts-WM: DTTB-Auswahl fliegt zuversichtlich nach Moskau

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tischtennis.de vom 12.05.2010

Mannschafts-WM: DTTB-Auswahl fliegt zuversichtlich nach MoskauFreut sich auf die WM: Die Damen-Auswahl des DTTB (Foto: Hinz)


Düsseldorf/Rotenburg. 
Noch elf Tage, dann beginnen sie, die LIEBHERR Mannschafts-Weltmeisterschaften (23.-30. Mai) in Moskau. Die Anspannung steigt und die deutschen Mannschaften arbeiten mit Hochdruck an der optimalen WM-Form. Während Bundestrainer Jörg Bitzigeio seine Damen zum Abschlusslehrgang im Düsseldorfer DTTZ versammelt, holen sich die DTTB-Herren in Rotenburg an der Fulda den letzten Schliff für die Titelkämpfe. Verstärkt wird die Trainingsgrupppe der Herren von zwei guten Bekannten aus der DTTL: Boja Tokic aus Slowenien und dem Chinesen Wang Xi. TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell erklärte sich kurzerhand bereit, ihren Spitzenmann für den Lehrgang abzustellen. Er soll den Schützlingen von Bundestrainer Richard Prause vor allem im Spiel gegen Abwehr noch einmal wichtige Impulse geben. 

Derweil gab sich Christian Süß am gestrigen Dienstag in Düsseldorf in die Hände seines behandelnden Arztes. Der 24-jährige Borusse laboriert seit dem Finalhinspiel der Champions League gegen Belgiens Spitzenclub Charleroi an einer Muskelverletzung im Oberschenkel, die er sich im Duell mit Nationalmannschaftskollegen Dimitrij Ovtcharov zugezogen hatte. Sein WM-Start ist aber nicht in Gefahr. "Ich bin in einer sehr guten Form und deshalb relativ entspannt", so der Mannschaftseuropameister. "So wie ich im Moment drauf bin, schadet mir auch eine kurze Trainingspause nicht." Die deutschen Herren bekommen es in Moskau in der Vorrunde mit Japan, Kroatien, Dänemark, Spanien und Ungarn zu tun. Auf die DTTB-Damen warten Singapur, die Niederlande, Spanien, Tschechien und die USA. Der Gruppenerste qualifiziert sich direkt für das Viertelfinale. Die Zweit- und Drittplatzierten treffen im Achtelfinale aufeinander. 

Zum Abschluss der beiden Lehrgänge zogen Team und Trainerstab eine erste Bilanz der Vorbereitung und formulierten Ziele und Erwartungen für das Großereignis des Jahres. Fazit: Die WM kann kommen.

Richard Prause: "Wir sind eine sehr schlagkräftige Truppe, die mehr als drei gute Spieler hat. Wir hatten fünf Spieler beim Europe Top 12, sind mit diesen Fünfen unter den Top 40 der Welt. Das ist sehr wichtig bei einem so langen Turnier wie einer WM. Bei Weltmeisterschaften steht die Mannschaft unter einer hohen Dauerbelastung, physisch, aber auch mental. In Guangzhou vor zwei Jahren hatte ich zwischendurch sogar die Sorge, dass ich selbst noch zum Schläger greifen musste, weil wir so viele Verletzte hatten. (Lacht.) Unsere fünf Musketiere sind in guter 

Das Trainer-Duo Seit an Seit: Richard Prause und Jörg Roßkopf (Foto: Hinz)Das Trainer-Duo Seit an Seit: Richard Prause und Jörg Roßkopf (Foto: Hinz)
Form und haben schon viel Erfahrung bei großen Turnieren gesammelt. Sie kennen den Grad der Beanspruchung, der sie erwarten wird.

Japan wird mit eines der Schlüsselspiele für uns in der Vorrunde sein. Sie haben eine Mannschaft, die sich auf der Überholspur befindet. Sie haben eine große Breite an jungen, sehr guten Spielern, die sich schnell entwickeln. Wir haben Respekt vor den Japanern, aber keine Angst.
Zudem wird Dänemark mit einem sehr starken Michael Maze ein schwieriges Auftaktspiel – die Neuauflage des EM-Finals von Stuttgart. Wir müssen uns der Aufgabe stellen, dass wir favorisiert sind. Es ist immer leicht gesagt: Wir dürfen keinen Gegner auf die leichte Schulter nehmen, aber so ist es. Man kann schon in der Vorrunde bei vermeintlich leichteren Spielen viel Substanz verlieren, wenn man nicht 100-prozentig konzentriert ist und es plötzlich eng wird. Wenn wir gegen Japan gewinnen, sind wir auf einem guten Weg. Aber auch wenn wir nicht gewinnen, ist noch nichts vorbei. Ich hoffe allerdings, dass wir uns den Umweg über das Achtelfinale sparen können.

Durch die hohe Wettkampfdichte sind wir wie schon seit längerer Zeit in unserer Vorbereitung auf große Turniere eingeschränkt. Wir können daher keinen langen, gemeinsamen Lehrgang mit unserem kompletten Topteam und A/B-Kader zusammen mit ausländischen Teams absolvieren, sondern müssen auf mehrere kurze Einzelmaßnahmen setzen, die wir intensiv nutzen." 

Timo Boll: "Das Wichtigste für mich ist, dass ich gesund bin. Nach zwei verpassten Weltmeisterschaften will ich endlich wieder dabei sein. Ich fühle mich zurzeit körperlich sehr wohl und hoffe, dass ich spielerisch in den nächsten Tagen noch besser in Form komme. Ich bin schon jetzt sehr zufrieden und freue mich auf die WM."

Dimitrij Ovtcharov: "Ich habe noch keine WM-Medaille. Die möchte ich unbedingt gewinnen. Wir träumen natürlich vom Finale und hoffen darauf, dort Gegenwehr zu leisten. Aber bis dahin ist es ein schwerer Weg. Es gibt viele Spiele auf 50:50-Niveau.
Ich habe in vergangenen Woche ziemlich stabil gespielt, habe auch in der Champions League eine der besten Bilanzen. Ich hoffe, dass ich bei der WM an meine Leistungen in der Champions League und bei den German Open anknüpfen kann. So könnte ich einen weiteren Schritt Richtung Top 10 der Weltrangliste machen."

Bastian Steger: "Unser Ziel sollte eine Medaille sein. Schließlich sind wir an Position drei gesetzt. Wir sind stark genug, um es schaffen. Japan ist in der Gruppe unser schwerster Gegner. Jun Mizutani ist der Spitzenspieler, das Team dahinter ist sehr ausgeglichen und wird hoch motiviert sein. 
Meine Form ist im Moment ganz. Ein paar Tage Zeit bleibt ja noch in der Vorbereitung. Die WM kann kommen."

Spielsimulation: Patrick Baum und Dimitrij Ovtcharov beim Training (Foto: Hinz) Spielsimulation: Patrick Baum und Dimitrij Ovtcharov beim Training (Foto: Hinz)
Patrick Baum: 
"Ich habe gut trainiert und fühle mich gut. China ist der Topfavorit, dahinter kommen Mannschaften wie Südkorea, Japan, Hongkong, aber auch europäische Teams wie Österreich sind nicht zu unterschätzen. Es gibt viele Mitfavoriten, daher können wir uns nicht gezielt auf einen Gegner vorbereiten. Aber das hat die Vorbereitung für uns eigentlich nicht erschwert." 

Christian Süß: "Ich bin in einer sehr guten Form und deshalb relativ entspannt. So wie ich im Moment drauf bin, schadet mir auch eine kurze Trainingspause nicht."

Jörg Bitzigeio: "Wir werden uns strecken müssen, um um das Viertelfinale mitspielen zu können. Mit Singapur der Niederlanden und Spanien haben wir starke Gruppengegner. Wenn wir unter die besten Drei kommen wollen, müssen wir mindestens eine dieser Mannschaften schlagen. Auch Tschechien ist als EM-Dritter nicht zu unterschätzen. Mit Gao Jun hat die USA eine Spielerin der erweiterten Weltklassen in ihren Reihen und ist ebenfalls gefährlich. Wir wollen uns in der Vorbereitung so fokussieren, dass wir zu einhundert Prozent unsere Leistung abrufen können. Angesichts der schweren Aufgaben, wollen wir ergebnisorientiert denken, sondern spielorientiert. 
Mit Kristin, Elke und Dudu verfügen wir über drei erfahrene Spielerinnen in der Mannschaft, die schon internationale Erfolge vorweisen können. Von Petrissa und Sabine erwarte ich, dass sie den Erfahrenen Dampf machen. Das will ich in jedem Training sehen. Elke, Dudu und Kristin sollen sich strecken müssen, um ihren Platz im Team zu verteidigen. Die drei gehen mit einem Vorsprung ins Turnier, aber so eine WM ist lange. Wir haben mit Sicherheit niemanden nominiert, der nicht eine ernsthafte taktische und spielerische Alternative ist."

Wu Jiaduo: "Singapur ist in der Vorrunde unser am stärksten einzuschätzender Gegner und Favorit auf den Gruppensieg. Mit Feng Tianwei haben die sie Weltranglistenzweite in ihren Reihen. Wir können also ohne Druck aufspielen und auf eine Überraschung hoffen. Unser Ziel ist es, aus der Gruppe herauszukommen, also einen der ersten drei Plätze zu belegen. Neben Singapur werden Spanien und die Niederlande unsere voraussichtlich härtesten Konkurrenten sein. Aber wir müssen bereits vom ersten Spiel an gegen die USA in Topform sein. Nach dem intensiven Training in Düsseldorf sind wir natürlich alle ein bisschen müde, so dass wir unser Pensum in den nächsten Tagen wohl ein wenig runterfahren, damit wir am 23. Mai auf den Punkt fit sind und unsere beste Leistung abrufen können."

Kristin Silbereisen: "Auch wenn wir gegen die Tschechinnen als Favorit ins Rennen gehen, sollten wir sie nicht unterschätzen. Sie haben eine junge, ausgeglichen besetzte Mannschaft, sind kämpferisch sehr stark und in der Lage, sich in einem Turnier von Spiel zu Spiel zu steigern. Nichtsdestotrotz sollten wir mit Selbstvertrauen in die Partie gehen. In der letzten Woche haben wir auf dem Lehrgang in Spanien vor allem im konditionellen Bereich viel gearbeitet. Wir sollten also für eine intensive und lange WM gewappnet sein."

Elke Schall: "Die Spanierinnen besitzen mit Zhu Fang und Shen Yanfei eine starke Mannschaft. Beide spielen auf einem konstant hohen Niveau und werden mit ihrem Team um die ersten drei Plätze mitspielen wollen. Für und sind die Begegnungen gegen die Niederlande und Spanien die Schlüsselspiele in dieser Gruppe. Wir werden unser Bestes geben und schauen was möglich ist. Unser Ziel ist das Viertelfinale, aber das wollen andere Mannschaften auch hin. Wichtig ist, dass wir gut vorbereitet und in optimaler Form in Moskau an den Start gehen."

Sabine Winter: "Die USA reisen treten mit vier Jugendspielerinnen und der erfahrenen Gao Jun an, die jederzeit für zwei Punkte gut ist. Wir müssen auf jeden Fall aufpassen. Dennoch sehe ich uns gegen die USA in der Favoritenrolle. Allerdings ist es das erste Spiel im Turnier und da ist es gegen keinen Gegner leicht. Wir mich geht es darum, bei den Damen Erfahrungen zu sammeln, Spaß zu haben und mir einen Eindruck von so einem Turnier zu machen. Erwachsenenturnier sind letztlich das, worauf es ankommt. Die Damen spielen im Vergleich zu den Mädchen taktisch auf einem höheren Niveau. Sie spielen konsequenter und machen weniger einfache Fehler. Auch das Tempo ist bei den Damen höher."

Petrissa Solja: "Schon bei der EM in Stuttgart haben wir gegen die Niederlande gespielt und unglücklich verloren. Wir wissen also, was uns erwartet. Auch die Niederländerinnen wollen um die Plätze 1-3 spielen. In Stuttgart durfte ich schon ein bisschen bei den Erwachsenen reinschnuppern. Ich weiß also schon, wie das bei den Erwachsenen so läuft. Sollte ich im Laufe des Turniers zum Einsatz kommen, werde ich auf jeden Fall auf den Punkt da sein."

Dirk Schimmelpfennig, DTTB-Sportdirektor: "Die Vorbereitung verläuft wie geplant. Bei den Herren stehen vor der WM noch die Endspiele in der Champions League und der DTTL auf dem Programm, die wir natürlich in der Trainingsgestaltung berücksichtigen müssen. Das betrachte ich aber nicht als Nachteil, da sich gerade über gute Gegner in Wettkämpfen auf höchstem Niveau entwickelt. Für Christian, der in der DTTL wesentlich mehr Einsätze hatte als Timo, ist die Belastung natürlich höher. Darauf werden wir achten. Wir werden das Training so dosieren, dass in Moskau alle im Vollbesitz ihrer Kräfte und in guter Form sein werden. Bei den Damen hingegen ist die Saison vorbei, so dass sich unser Team ganz auf die WM fokussieren kann. Die Damen haben mit Singapur, Niederlande, Tschechien und Spanien sicherlich eine anspruchsvolle Gruppe zugelost bekommen. Es ist eine Gruppe, in der mehrere Mannschaften unter die ersten drei kommen können. Eine dieser Mannschaften wollen wir sein. Das ist unser Ziel. Mal schauen, was dann noch mit Blick auf das Viertelfinale möglich ist. 
Mit Elke und Dudu haben wir zwei ältere, erfahrene Spielerinnen in unseren Reihen. Auch Kirstin verfügt bereits über große internationale Erfahrung. Diese drei bilden den Stamm des Teams. Sabine und Petrissa haben sich an die Mannschaft herangearbeitet und werden diese auch in Zukunft bereichern. Wie sie in Moskau zum Einsatz kommen, hängt sicherlich auch vom Verlauf des Turnieres ab. Es geht in erster Linie darum, sie schrittweise näher in den Stamm der Nationalmannschaft einzugliedern. 
Die Männer sind im Moskau an drei gesetzt und haben mit Japan und Dänemark eine anspruchsvolle Gruppenkonstellation vor sich. Auch die anderen Mannschaften sind nicht zu unterschätzen. Wir sind aber stark genug, um die Gruppe als Erster abzuschließen und uns so in eine gute Ausgangsposition für die Hauptrunde zu bringen. Unser Ziel ist es, in Moskau eine Medaille zu holen."
 

In den letzten Tagen vor Moskau bereiten sich die Spielerinnen und Spieler noch einmal individuell in Höchst und Düsseldorf auf die kommenden Aufgaben vor, ehe am 20. Mai der Flieger in Richtung Moskau abhebt.

SH/MO

 

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